Der hl. Josef und Fatima

Gedanken über den hl. Josef im Josefsjahr 2021

Bei einer Pilgerfahrt nach Fatima waren wir auch in verschiedenen Läden auf der Suche nach einer schönen Fatima-Madonna. Dabei sahen wir auch eine Heiligenfigur, die uns unbekannt war: ein schlafender Heiliger. Unsere Nachfrage ergab, dass es sich dabei um den heiligen Josef handelt.

Der hl. Josef - schlafend

schlafender hl. Josef, im Hintergrund die Rosenkranzbasilika in Fatima

Wir kennen den hl. Josef ja gewöhnlich dargestellt mit einer Lilie, mit dem Jesus-Kind auf dem Arm oder aber als Handwerker. Aber die Darstellung des schlafenden, träumenden hl. Josef hatten wir bis dahin noch nicht gesehen. Deswegen haben wir die Figur nicht nur erworben sondern uns auch näher mit dem schlafenden Josef beschäftigt.

Vier Weisungen im Traum

Wenn wir das Matthäus-Evangelium betrachten, dann stellen wir fest, dass nicht nur einmal, nein viermal berichtet wird, dass der hl. Josef schläft. Und nicht nur das: der hl. Josef hat Träume. Träume, die göttlichen Ursprungs sind.

Im ersten Kapitel des Matthäus-Evangeliums wird zunächst durch den Stammbaum Jesu, der ja zugleich der Stammbaum Josefs ist – nachgewiesen, dass Jesus, als rechtlicher Sohn Josefs, aus dem Haus David stammt und somit Erbe der Verheißungen ist.

Danach wird der Lesende sofort ins Drama der Menschwerdung Jesu hineingenommen:
Maria war mit Josef verlobt und sie erwartete ein Kind, und zwar durch das Wirken des Heiligen Geistes. Maria wusste das, aber der hl. Josef war ahnungslos. Er hatte ja keine Begegnung mit dem Erzengel Gabriel gehabt – nur Maria. Dass Maria ein Kind erwartete, muss den hl. Josef sehr geschmerzt haben. Andererseits wollte er Maria auch nicht der Todesstrafe durch Steinigung ausliefern. Josef steckte menschlich gesehen also  in einem unlösbaren Dilemma. Da kommt Josef, wie wir wissen, im Traum ein Engel Gottes mit einer Botschaft zu Hilfe. Er erklärt Josef die Situation und sagt ihm, was er zu tun hat. Josef tut, wie ihm vom Engel befohlen und nimmt seine Frau Maria zu sich. Der hl. Josef hört auf das Wort Gottes und erfährt so Rettung aus tiefster Seelennot.

Nach der Geburt Jesu gibt Gott weiter im Traum seine Weisungen. Zuerst bekommen die Heiligen Drei Könige im Traum eine Weisung: ihnen wird geboten, nicht zu Herodes zurückzukehren und den Aufenthaltsort des Kindes nicht preiszugeben. Vielmehr müssen sie auf einem anderen Weg das Land verlassen.

Über den hl. Josef erfahren wir, dass er im Traum den Befehl erhält, mit Frau und Kind nach Ägypten zu fliehen, weil Herodes das Kind töten will. Der hl. Josef verliert keine Zeit. Noch in der Nacht steht Josef auf, packt seine Sachen zusammen und bricht auf nach Ägypten. Es gibt für den hl. Josef kein Zweifeln, kein Zögern, keine Trägheit, kein Auf-die-lange-Bank-Schieben. Er gehorcht einfach dem Wort Gottes, und so gereicht ihm und den Seinen alles zum Besten. Durch Josefs Gehorsam können die Pläne Gottes gelingen. Der hl. Josef bleibt solange in der Fremde, bis er – wiederum im Traum – den Befehl erhält, in die Heimat zurückzukehren.

Der hl. Josef – allzeit bereit

Wie wir wissen, ist uns vom hl. Josef kein einziges gesprochenes Wort überliefert, aber viel über sein Wesen und sein Handeln: er ist ein gerechter, heiliger Mann; er sorgt, er arbeitet als Zimmermann; er ist sprungbereit für Gottes Aufträge – notfalls auch nachts. Er staunt wie Maria über das, was andere, z.B. die Hirten oder Hanna und der greise Simeon über das Kind Jesus sagen. Als er und Maria den 12jährigen Jesus vermissen und suchen und ihn schließlich im Tempel finden, sind sie betroffen. Sie hatten Angst um ihn gehabt, und müssen nun feststellen, dass er im Tempel mitten unter den Lehrern sitzt, Fragen stellt bzw. Antworten gibt. Die Eltern verstehen ihren Sohn nicht. Es heißt mehrfach: „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach“(Lk 2,19; Lk 2,51). Wir dürfen davon ausgehen, dass auch der hl. Josef alles in seinem Herzen bewahrte und darüber nachdachte. Und darüber schwieg.

Was sagt uns der schlafende, träumende hl. Josef?

Der hl. Josef ist mit furchtbaren Seelennöten und Zweifeln eingeschlafen. Er wusste nicht, was er tun sollte. Weder konnte er Maria zu sich nehmen noch wollte er sie der Gefahr der Steinigung ausliefern. Der hl. Josef war ein realistischer, bodenständiger Mann und Handwerker, aber sein Verstand konnte ihm keine Lösung aufzeigen. Und so schlief er mit einer schweren Last beladen ein. Im Schlaf aber kommt der Verstand zur Ruhe. Das macht sich Gott beim hl. Josef zunutze. Im Traum übermittelt er ihm Botschaften und Befehle. Der hl. Josef schläft Sorgen beladen ein und wacht nach dem Traum mit Klarheit und Gewissheit wieder auf. Durch den Traum erlangt er Sicherheit und inneren Frieden. Er weiß nun, was zu tun ist. Er vertraut Gott mehr als seinem Verstand, seinen  Bedenken und seiner Furcht. Er tut genau das, was Gott ihm durch den Engel befiehlt, und zwar umgehend.

Eure Alten werden Träume haben

Im Buch Joel im Alten Testament ist vom kommenden Heil die Rede und der Ausgießung des Geistes. Es heißt im 1. Vers: „Danach aber wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgieße über alles Fleisch. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, eure Alten werden Träume haben und eure jungen Männer haben Visionen.“ (Joel 3,1) Schon da ist von Träumen die Rede, durch die Gott zu den Menschen spricht. Heute wird bezeugt, dass es z.B. immer wieder Bekehrungen zum Christentum gibt, die durch Träume ausgelöst werden.
Es ist gut, dass wir denken und unseren Verstand einsetzen. Aber gewöhnlich ist es so, dass wir unseren Verstand zu sehr bemühen und durch das viele Denken voll sind von lauter „Bedenken“. Die vielen Bedenken blockieren uns. Sie hindern uns, Gott vollkommen zu vertrauen.

Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf

Wenn wir den schlafenden hl. Josef betrachten, kommt einem auch der Psalm-Vers Ps 127,2 in den Sinn: „…der Herr gibt es den Seinen im Schlaf“. Das bedeutet nicht, dass Gott die Seinen ermuntert zum Faulenzen. Aber nach getaner Arbeit dürfen sich die Seinen beruhigt schlafen legen. Im Ruhen, im vertrauensvollen Ruhen in den Armen Gottes, klärt sich Vieles wie von selbst.

Das Sonnenwunder von Fatima und die Visionen der Hirten-Kinder am 13. Oktober 1917

Welche Rolle spielt der hl. Josef bei den Erscheinungen der Muttergottes in Fatima zwischen 13. Mai und 13. Oktober 1917?

das Jesuskind auf dem Arm des hl. Josef segnet die Erde

Bei der fünften Erscheinung am 13. September 1917 hatte die Muttergottes den Kindern versprochen, im Oktober mit dem heiligen Josef und dem Jesuskind zu kommen. Die Muttergottes sagte am Ende ihrer Erscheinung am 13. Oktober 1917 traurig: „Man soll Gott, unseren Herrn, nicht mehr beleidigen, der schon so sehr beleidigt worden ist.“ Lucia schreibt in ihren Erinnerungen: „Sie (die Muttergottes) öffnete die Hände und ließ sie im Sonnenschein erstrahlen. Während sie sich erhob, strahlte ihr eigenes Licht in der Sonne wider…“ Während das Volk Zeuge des Sonnenwunders wurde, hatten die Kinder Visionen. Lucia schreibt: „ Nachdem Unsere Liebe Frau in der unendlichen Ferne des Firmamentes verschwunden war, sahen wir dann neben der Sonne den heiligen Josef mit dem Jesuskind und Unsere Liebe Frau in Weiß gekleidet mit einem blauen Mantel. Der heilige Josef mit dem Jesuskind schien die Welt mit einer Handbewegung in Kreuzesform zu segnen…“
Dass die Kinder bei ihrer Vision am 13. Oktober 1917 den hl. Josef schauen, der mit dem Jesuskind die Welt segnet, bekräftigt seine Rolle in der Heiligen Familie und in der Kirche.
Der heilige Josef ist das Haupt der Heiligen Familie, er gibt uns Aufschluss über den Plan Gottes mit uns und unseren Familien und mit der Familie der Kirche. Der hl. Josef ist Vater. Vater Jesu. Er will uns durch sein Erscheinen die Bedeutung der Vaterschaft in Erinnerung rufen, die heute so sehr in Mitleidenschaft gezogen bzw. angezweifelt wird. Die Vaterschaft des hl. Josef ist, wie es eigentlich für die Vaterschaft aller Väter auf Erden gedacht ist, ein Abbild der Vaterschaft Gottes. Heute wird in unserer Gesellschaft vielfach die wichtige Rolle der Väter abgelehnt. Die Vaterschaft wird abgelehnt. Mit dieser Ablehnung geht die Zerstörung der Familien einher. Mit der Ablehnung der menschlichen Vaterschaft geht die Ablehnung der Vaterschaft Gottes, die Ablehnung Gottvaters einher. Die Ablehnung Gottvaters hat verheerende Konsequenzen, die die ganze Menschheit wird tragen müssen.

Nehmen wir uns die letzten Worte der Muttergottes in Fatima zu Herzen: „Man soll Gott, unseren Herrn, nicht mehr beleidigen, der schon so sehr beleidigt worden ist.“ Trösten wir Gott, so wie die Kinder ihn getröstet haben, und bemühen wir uns um Wiedergutmachung, auch stellvertretend für andere.

 

 

Gebet zum heiligen Josef

(15. August 1889)

 

Leo XIII.

Hinweis/Quelle: von Papst Johannes Paul II. in Redemptoris Custos erneut empfohlen

Bei dir, heiliger Josef, / suchen wir Zuflucht. / Wir haben deine heiligste Braut um Hilfe angefleht / und bitten nun vertrauensvoll / um deinen väterlichen Schutz.

Um der Liebe willen, / die dich mit der unbefleckten Jungfrau und Gottesmutter verbunden, / um der väterlichen Liebe willen, / mit der du das Jesuskind umfangen hast, / bitten wir dich flehentlich: / Schau gütig herab auf die Kirche, / die Jesus Christus durch sein Blut sich erworben hat, / und komm unseren Nöten durch deine Macht zu Hilfe.

Du hast in treuer Sorge gewacht über die heilige Familie; / schütze nun auch die auserwählten Kinder Jesu Christi. / Liebreicher Vater, halte fern von uns jede Ansteckung durch Irrtum und Verderbnis. / Du starker Beschützer, / steh uns vom Himmel aus gnädig bei / in unserem Kampf gegen die Mächte der Finsternis.

Wie du einst das Jesuskind aus höchster Lebensgefahr gerettet hast, / so verteidige jetzt die heilige Kirche Gottes / gegen alle Nachstellungen ihrer Feinde / und gegen jede Widerwärtigkeit.

Jeden von uns aber / nimm unter deinen beständigen Schutz, / damit wir nach deinem Beispiel / und mit deiner Hilfe / heilig leben, / gut sterben / und die ewige Glückseligkeit im Himmel erlangen. / Amen.