Dankt für alles!

Gedanken über Dankbarkeit und Undankbarkeit, insbesondere in Bezug auf die Botschaften von Fatima

(2. Januar 2021)

Wenn wir die Heilige Schrift betrachten, dann wird uns auffallen, wie sehr Jesus die Dankbarkeit schätzt, wie er seine Jünger lehrt, dankbar zu sein und wie er ihnen selber ein Vorbild an Dankbarkeit ist.
Nehmen wir als erstes Beispiel die Heilung der zehn Aussätzigen (Lk 17, 11ff). Alle zehn Aussätzigen rufen Jesus um Erbarmen an, alle zehn werden von Jesus geheilt – aber nur einer kehrt um und dankt Gott. „Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war aus Samarien. Da sagte Jesus: Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun?...“

Unsere Vergesslichkeit

Die neun Geheilten scheinen die Großtat Jesu schon wieder vergessen zu haben. So ist es oft auch bei uns. Das Negative, das wir erleben, brennt sich in unser Gedächtnis regelrecht ein, aber das Gute, das wir erfahren dürfen, die Gnaden, mit denen uns Gott beschenkt, die vergessen wir sehr rasch. Ja, wir sind in diesem Punkt wirklich sehr vergesslich, dabei sollten wir beständig Zeugnis ablegen für all das Gute, das Gott uns in unserem Leben getan hat.

Das Magnifikat Mariens und der Dank Jesu an den Vater

Maria auf dem Weg zu Elisabet  ǀ Mosaik in Ein Karim bei Jerusalem

Dankbarkeit bei jeder Gelegenheit

Auch als Jesus mit seinen Jüngern das Letzte Abendmahl feiert, geschieht dies in der Haltung der Dankbarkeit. Jesus dankt bei der Erhebung von Brot und Wein. „Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es den Jüngern und sagte: Nehmt und esst; das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet und reichte ihn den Jüngern mit den Worten: Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ (Mt 26,26-28)
Jesus dankt – wohl wissend, dass Leiden und Kreuz unmittelbar bevor stehen, ja dass durch den Verrat seines Freundes Judas das Leiden schon seinen Anfang genommen hat.Für Jesus ist der Dank an den Vater, der Dank an Gott, oberste Herzenshaltung. Das hat er seine Jünger gelehrt. Das betont später auch der Apostel Paulus in seinen Briefen: „Lasst in eurer Mitte Psalmen, Hymnen und Lieder erklingen, wie der Geist sie eingibt. Singt und jubelt aus vollem Herzen zum Lob des Herrn! Sagt Gott, dem Vater, jederzeit Dank für alles im Namen Jesu Christi, unseres Herrn!“ (Eph 5,19.20)
Die höchste Danksagung, die wir Gott bringen können, ist die Eucharistie.

Dankbarkeit bei der kleinen Thérèse

Unsere Kirchenlehrerin, die kleine heilige Thérése von Lisieux,  greift das Thema Dankbarkeit ebenfalls auf. Sie schreibt: „Das, was die meisten Gnaden von Gott anzieht, ist die Dankbarkeit. Wenn wir ihm für eine Wohltat danken, ist er gerührt und beeilt sich, uns zehn weitere zu erweisen. Wenn wir ihm dann wieder mit derselben Aufrichtigkeit danken, welche unberechenbare Vermehrung der Gnaden! Ich selbst habe diese Erfahrung gemacht; versuche es, und du wirst sehen. Meine Dankbarkeit ist grenzenlos für alles, was er mir gibt, und ich beweise sie ihm auf tausend Arten.“
Thérèse spricht also aus Erfahrung, und sie will uns ermutigen, ihre Dankbarkeit, ihre aufrichtige Dankbarkeit, nachzuahmen.

Dankbarkeit ist umfassend.

Dankbarkeit umfasst den Dank für schöne Dinge, die uns widerfahren, aber auch für schmerzliche. Natürlich ist es nicht leicht, Gott für etwas Schmerzliches zu danken. Aber es ist möglich. Wenn man einmal erfahren hat, dass Gott alles, auch Schmerzliches, zum Besten führen kann und es auch tut, dann wird man langsam lernen, auch für Dinge zu danken, die im ersten Augenblick weh tun. Das umfassende Danken ist somit auch eine Vertrauenssache.
Im Philipper-Brief lesen wir: „Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!“ (Phil 4,6) Das gilt auch für heute in der Corona-Krise. Nicht sorgen sondern danken – „Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren.“ (Phil 4,7)  Dank bringt also auch inneren Frieden. Den Frieden, den nur Gott schenken kann.
Die Corona-Krise ist eine schmerzliche Erfahrung, und zwar für jeden; nur für jeden anders. Die Erfahrung der Corona-Pandemie ist eine Erfahrung, die letztlich der ganzen Menschheit zum Besten gereichen kann, wenn nur jeder das Seine tut: innerhalb und außerhalb der Kirche. Gerade aber wir Getauften, die wir zu Christus gehören, sind aufgerufen, mit Dank auf diese Erfahrung zu reagieren. Mit Dank für die Erneuerung, die dadurch in der Kirche geschehen kann. Wenn ein jeder von uns aus dem Schmerzlichen lernt und bereit ist, an sich zu arbeiten und sich selbst zu bekehren, dann kann der Mächtige Großes an uns tun: an uns persönlich, an der Kirche und an der ganzen Welt. Durch Dankbarkeit, aufrichtige Dankbarkeit,  können wir Christus den Weg bereiten für die nötige Erneuerung, die auf jeden Fall mit Schmerzen verbunden ist.
Wenn wir jetzt schon anfangen, Gott zu danken,  im Voraus zu danken, dann werden wir dieselbe Erfahrung machen wie die hl. Thérèse: Gott wird uns reichlich beschenken.

Dankbarkeit ist eine große geistige Kraft.

Danken  geschieht im Heiligen Geist. Bitten wir also den Heiligen Geist um die Gnade der Dankbarkeit. In den Briefen des hl. Paulus nimmt die Dankbarkeit einen großen Raum ein: „Hört nicht auf zu danken!“ (Kol 2,7); „Dankt dem Vater mit Freude!“ (Kol 1,12), „Lasst nicht nach im Beten; seid dabei wachsam und dankbar!“ (Kol 4,2)  Nehmen wir auch die Worte des hl. Paulus ernst, die er an die Thessalonicher richtet: „Dankt für alles; denn das will Gott von euch, die ihr Christus Jesus gehört.“ (1 Thess 5,18)

Undankbarkeit – eine negative geistige Kraft

Wenn wir die Worte über die Dankbarkeit in der Heiligen Schrift betrachten, Worte, die von Jesus selber, von der Muttergottes und vom Apostel Paulus stammen, wenn wir die vielen Psalmen über die Dankbarkeit berücksichtigen und dann z.B. die Erfahrungen unserer Kirchenlehrerin Thérèse von Lisieux anschauen, dann wird uns klar, dass der Dank eine große positive Kraft hat.
Umgekehrt ist die logische Folgerung daraus: Undankbarkeit ist auch eine geistige Kraft, allerdings eine negative, mit furchtbaren Konsequenzen für uns ganz persönlich, für die Menschen um uns herum, für die ganze Menschheit, für die Kirche und für die Welt.
Über die Undankbarkeit lesen wir im zweiten Timotheus-Brief im Zusammenhang mit der Situation der Menschen in der Endzeit. Die Undankbarkeit ist da eine von vielen schlechten Eigenschaften, die sich wohl gegenseitig bedingen:
„Die Menschen werden selbstsüchtig sein, habgierig, prahlerisch, überheblich, bösartig, ungehorsam gegen die Eltern, undankbar, ohne Ehrfurcht, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, unbeherrscht, rücksichtslos, roh, heimtückisch, verwegen, hochmütig, mehr dem Vergnügen als Gott zugewandt.
Den Schein der Frömmigkeit werden sie wahren, doch die Kraft der Frömmigkeit werden sie verleugnen. Wende dich von diesen Menschen ab.“ (2 Tim 3,1-5)
Auch der Römerbrief spricht zu uns von der Undankbarkeit. Paulus schreibt, dass die Menschen Gott in der Schöpfung leicht erkennen könnten, sie sich trotzdem von Gott abwenden. Das sei „unentschuldbar.“ „Denn sie haben Gott erkannt, ihn aber nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt. Sie verfielen in ihrem Denken der Nichtigkeit und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert.“ (Röm 1,21) Weil die Menschen Gott für seine Schöpfung und für seine Großtaten nicht ehren und ihm nicht danken, fallen sie von einer Sünde in die nächste. Ja, sie vertauschen sogar die Wahrheit Gottes mit der Lüge. Die Heilsordnung Gottes wird total auf den Kopf gestellt. Genau das ist es, was wir heute in steigendem Maß, beispielsweise bei der Gender-Ideologie, feststellen müssen.
Der Mensch hat sich nicht selbst geschaffen. Wir haben einen Schöpfer. Ihm gebührt all unsre Ehre und all unser Dank. Undank gegenüber Gott führt in Verblendung und ins Verderben.

Gottes Güte – Israels Undank

Psalm 106 trägt die Überschrift: „Gottes Güte – Israels Undank.“ In diesem Psalm wird das große Wirken Gottes an seinem Volk geschildert, die Rettung aus der Hand der Ägypter, der Durchzug durchs Rote Meer. Doch schon im Vers 13 heißt es: „Doch sie vergaßen schnell seine Taten,…“
Da war keine Spur mehr von Dankbarkeit. Im Gegenteil: das Volk meuterte gegen seinen Gott und Retter. Es machte sich einen goldenen Stier und betete fremde Götter an. Das Volk Israel war untreu und brach immer wieder den Bund mit Gott.
„Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten; in dieser Endzeit aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn,…“ (Heb 1,1). Gott Vater hat seinen Sohn gesandt, um uns zu retten. Der Sohn hat sein Blut für uns vergossen, um uns vor dem ewigen Tod, vor dem alten Drachen zu retten.
Jesus ist für uns am Kreuz gestorben; am Kreuz hat er uns alle nur denkbaren Gnaden erworben. Trotzdem: der Mensch ist vergesslich. Er vergisst für die Erlösung zu danken; er vergisst die Gnaden in Anspruch zu nehmen; er vergisst, die Sakramente anzunehmen; er vergisst, für die Stärkung durch die Eucharistie zu danken; er vergisst für die Vergebung der Sünden im Sakrament der Vergebung zu danken. Der Mensch vergisst nicht nur die Großtaten Gottes, der Mensch vergisst Gott selbst. Und so entwickelt er sich nach und nach zu dem Menschen mit den im Timotheus-Brief genannten Eigenschaften. Zu einem Menschen voll von Selbstsucht, Habgier, Stolz, Lieblosigkeit, Ungehorsam, Unversöhnlichkeit, Undankbarkeit u.s.w.

Fatima – und die Undankbarkeit der Menschen

Es war im Herbst 1916, als den Hirtenkindern von Fatima, Lucia, Francisco und Jacinta, zum dritten Mal der Engel des Friedens, der Engel von Fatima, erschien. Der Engel lehrte die Kinder folgendes Gebet:
„Heiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, in tiefster Ehrfurcht bete ich Dich an und opfere Dir auf den kostbaren Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit Jesu Christi, gegenwärtig in allen Tabernakeln der Erde, zur Wiedergutmachung für alle Schmähungen, Sakrilegien und Gleichgültigkeiten, durch die Er selbst beleidigt wird. Durch die unendlichen Verdienste Seines Heiligsten Herzens und des Unbefleckten Herzens Mariens bitte ich Dich um die Bekehrung der armen Sünder.“

Jesus Christus – beleidigt durch die undankbaren Menschen

Danach reichte der Engel den Kindern geistigerweise die hl. Kommunion. Die Hostie gab er Lucia, den Kelch gab er Francisco und Jacinta. Dazu sprach er folgende Worte: „Empfangt den Leib und trinkt das Blut Jesu Christi, der durch die undankbaren Menschen so furchtbar beleidigt wird. Sühnt ihre Sünden, tröstet euren Gott.“ Wir erfahren also: Es ist die Undankbarkeit, die Gott so sehr beleidigt. Undankbarkeit gegenüber dem Vater, der den Sohn als Erlöser gesandt hat, Undankbarkeit gegenüber dem Sohn, Jesus Christus, der sein Blut am Kreuz vergossen hat, um die Menschheit, uns, zu erlösen. Statt Jesus durch Anbetung dafür zu danken, ihn zu loben, ihn zu preisen und zu ehren, wird er geschmäht und ignoriert. Gott wird vergessen. Gott wird geleugnet und abgeschafft. Stattdessen werden Irrlehren und Ideologien verbreitet, die sich gegen Gott wenden, und vor denen die Muttergottes in Fatima am 13. Juli 1917 warnt. Wegen dieser Undankbarkeit Gott gegenüber ist Wiedergutmachung und stellvertretendes Gebet für die Bekehrung der Sünder nötig. Das erbittet der Engel von den Hirtenkindern – und von uns.

Das Unbefleckte Herz Mariens - durchbohrt durch die Undankbarkeiten der Menschen

Am 10. Dezember 1925 erschien die Muttergottes der Seherin Lucia, mittlerweile Novizin bei den Dorotheen-Schwestern in Pontevedra (Nordspanien). Neben der Muttergottes stand das Jesus-Kind. Die Muttergottes hielt in ihrer Hand ein Herz, das von Dornen umgeben war. Das Jesus-Kind sagte zu Lucia: „Habe Mitleid mit dem Herzen deiner heiligsten Mutter, umgeben von Dornen, mit denen die undankbaren Menschen es ständig durchbohren, ohne dass jemand einen Sühneakt machen würde, um sie herauszuziehen.“

Muttergottes auf dem Altar in der Klosterzelle von Sr. Lucia, in der die Erscheinung stattfand

Daraufhin sagte die Muttergottes: „…sieh mein Herz umgeben von Dornen, mit denen es die undankbaren Menschen durch ihre Lästerungen und Undankbarkeiten ständig durchbohren. Bemühe wenigsten du dich, mich zu trösten…“
Genau wie der Sohn, ist auch die Mutter durch die Undankbarkeit der Menschen verletzt. Jesus will in der Welt die Andacht zum Unbefleckten Herzen seiner Mutter begründen. Mit dieser Andacht sollen die Menschen Sühne leisten für die Beleidigungen gegenüber der Muttergottes. Vor allem aber sollen durch die Andacht zu ihrem Unbefleckten Herzen die Sünder gerettet werden, die auf die Hölle zugehen. (Erscheinung der Muttergottes in Fatima, 13. Juli 1917)

Die hl. Jacinta und Francisco inder Pfarrkirche Fatima

Die Dankbarkeit hat große Kraft. Wenn wir wie die Kinder von Fatima den eucharistischen Jesus trösten, wenn wir ihm durch unsere Anwesenheit vorm Tabernakel Gesellschaft leisten, wenn wir an ihn glauben, auf ihn hoffen, wenn wir ihn anbeten und lieben und zugleich stellvertretend um Vergebung bitten für diejenigen, die an ihn nicht glauben, die nicht auf ihn hoffen, die ihn nicht anbeten und die ihn nicht lieben, dann wird Gott Großes wirken. Dann wird er die Heilsordnung wieder herstellen. Dann wird Gott die Anbetung, den Lobpreis, den Dank und die Ehre erfahren, die ihm gebühren, so wie es von Ewigkeit her gedacht ist.

 

„Dankt für alles; denn das will Gott von euch, die ihr Christus Jesus gehört.“ (1 Thess 5,18)