6. Erscheinung der Muttergottes,
Sonnenwunder - um die Mittagszeit,
13. Oktober 1917

Cova da Iria

„Wir verließen schon ziemlich früh das Haus, da wir mit Verzögerungen auf dem Weg rechneten. Das Volk kam in Massen. Es regnete in Strömen. Meine Mutter, die fürchtete, dies werde der letzte Tag meines Lebens sein, und der die Ungewissheit über das Kommende das Herz zerriss, wollte mich begleiten. Auf dem Weg die Szenen des vergangenen Monats, aber noch zahlreicher und bewegender. Nicht einmal der Schlamm auf den Wegen konnte diese Leute aufhalten, sich in demütiger und bittender Haltung niederzuknien. Wir kamen in der Cova da Iria bei der Steineiche an und unter einer inneren Eingebung bat ich das Volk, die Regenschirme zu schließen, um den Rosenkranz zu beten. Kurz darauf sah ich den Lichtschein und dann Unsere Liebe Frau über der Steineiche.

„Was wünschen Sie von mir?“

Die von der Gottesmutter erwünschte Kapelle im Jahr 1920

„Ich möchte dir sagen, dass hier eine Kapelle zu meiner Ehre gebaut werden soll. Ich bin Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz. Man soll weiterhin täglich den Rosenkranz beten. Der Krieg geht zu Ende, und die Soldaten werden in Kürze nach Hause zurückkehren.“

Ich wollte sie um vieles bitten: ob sie einige Kranke heilen und einige Sünder bekehren möchte, und vieles mehr.

Sie sagte: „Einige ja, andere nicht. Sie müssen sich bessern und um Vergebung ihrer Sünden bitten.“

Und noch trauriger sagte sie: „Man soll Gott, unseren Herrn, nicht mehr beleidigen, der schon so sehr beleidigt worden ist.“ (Sr. Lucia, Erinnerungen)

 Sr. Lucia fordert dann die Menschen auf, zur Sonne zu schauen.

„Ich tat es nur aus einer inneren Bewegung heraus, die mich dazu antrieb.“

Während die Menschen das Sonnenwunder sehen, haben die Kinder die Visionen, die bereits im September von der Muttergottes angekündigt worden sind.

„Nachdem Unsere Liebe Frau in der unendlichen Ferne des Firmamentes verschwunden war, sahen wir dann neben der Sonne den heiligen Josef mit dem Jesuskind und Unsere Liebe Frau in Weiß gekleidet mit einem blauen Mantel. Der heilige Josef mit dem Jesuskind schien die Welt mit einer Handbewegung in Kreuzesform zu segnen. Kurz darauf verschwand diese Erscheinung. Dann sahen wir Unseren Herrn und Unsere Liebe Frau. Ich hatte den Eindruck, es sei Unsere Liebe Frau von den Schmerzen. Unser Herr schien die Welt in der gleichen Weise zu segnen wie der heilige Josef. Diese Erscheinung verschwand, und ich meine wohl, dass ich auch noch Unsere Liebe Frau vom Karmel gesehen habe.“ (Sr. Lucia, Erinnerungen)

In ihren Erinnerungen schreibt Sr. Lucia: „Was sich mir von dieser Erscheinung (13. Oktober 1917) am tiefsten ins Herz prägte, war die Bitte unserer heiligsten Himmelsmutter:
Man soll Unseren Herrn nicht mehr beleidigen, der schon so sehr beleidigt worden ist.“

Über Francisco schreibt Sr. Lucia: „Als ich ihm nach dem 13. September sagte, dass im Oktober auch Unser Herr kommen würde, zeigte er große Freude. Er sagte: „O, das ist aber schön! Wir haben ihn bisher nur zweimal gesehen, und ich liebe ihn so sehr! (Francisco bezog sich auf die Erscheinung vom Mai und Juli.  Da sahen die Kinder den Herrn im geheimnisvollen Licht der Gottesmutter)...Sind es noch viele Tage bis zum Dreizehnten? Ich kann es kaum erwarten, den Heiland wiederzusehen…Aber hör mal! Wird er immer noch so traurig sein? Es tut mir so leid, dass er so traurig ist! Ich biete ihm alle Opfer an, die ich bringen kann. Manchmal renne ich nicht mehr vor diesen Leuten davon, um dies Opfer zu bringen.“ Nach dem 13. Oktober sagte er: „Ich habe mich so gefreut, den Heiland zu sehen, ich hätte ihn aber viel lieber in dem Licht geschaut, in dem auch wir waren. In Kürze wird mich Unser Herr zu sich holen und ich werde ihn dann für immer schauen.“

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