Die Muttergottes von Fatima und ihre Senioren.

Ein Zeugnis

Wie oft hören wir seit Jahren vom Pflegenotstand: Die steigende Anzahl von pflegebedürftigen und dementen Senioren in den Altenheimen und demgegenüber ein Mangel an guten Pflegekräften.
Wer aber spricht vom seelischen Notstand der Heimbewohner?
Nicht jeder hat das Glück in ein katholisch geführtes Heim mit Hauskapelle und priesterlicher Begleitung zu kommen. Und selbst wenn man in solch einem Haus untergebracht ist, heißt das ja noch lange nicht, dass man körperlich oder geistig in der Lage ist, z.B. die Kapelle aufsuchen zu können.
Aber der Himmel, so haben wir über die Jahre festgestellt, findet Mittel und Wege, unseren alten Menschen in ihrer seelischen Not beizustehen, selbst im Zustand von Demenz, bei dauerndem Aufenthalt im Bett oder im Rollstuhl.
 
Durch eigenes Erleben durften wir erkennen: Jesus und Maria können in den Herzen der alten Menschen wirken, selbst wenn diese bereits dement sind oder dem Glauben gegenüber früher nicht besonders aufgeschlossen waren.
Wir wollen unser Zeugnis beginnen mit unserem dementen Vater, der kein Beter war, der sich aber während seiner mehr als 5 Jahre dauernden Bettlägerigkeit zu einem „Lamm“ entwickelte – kein Wort der Klage kam über seine Lippen. Die Krankenkommunion empfing er höchst andächtig und schließlich überraschte er uns eines Tages damit, dass er, der Demente, die Familie zu segnen wünschte. Für uns ein wahres Wunder!
 
Eine demente Heimbewohnerin, die lebenslang ihren Glauben gelebt, die stets die Fatima-Tage und die Herz-Mariä-Sühnesamstage mitgefeiert hat, hatte ein Lieblingslied, das sie beinah bis zum Schluss gesungen hat. Immer und immer wieder sang sie „Großer Gott, wir loben dich!“ Und genau das meinte sie auch. In jeder Phase ihres Lebens, in Krankheit, Alter, Demenz. Noch zu guten Zeiten hatte sie sich der Muttergottes anvertraut und geweiht. Das war jederzeit spürbar. Da wir davon wussten, konnten wir sie in Zeiten der Demenz immer wieder an ihre Weihe erinnern, was sie jedes Mal mit Dankbarkeit und Freude erfüllte. Ganz erstaunlich war, dass sie trotz fortschreitender Demenz immer wieder Phasen hatte, in denen sie Glaubenswahrheiten kundtat. Ihr Leiden hatte sie, das wissen wir, ganz bewusst Jesus und seiner Mutter aufgeopfert, damit es recht fruchtbar werde. Im Fatima-Jubiläumsjahr konnten wir sie mit dem Besuch der Pilger-Madonna erfreuen.
Erstaunlich ist auch die Entwicklung bei einer Seniorin, die zwar eine äußerst gläubige, betende Mutter hatte, die selber aber vom Gebet nicht so recht was wissen wollte. Ihre Mutter versuchte, ihr den Rosenkranz schmackhaft zu machen, aber sie wehrte immer ab. Und so trat die Mutter alleine für die ganze Familie bei Gott ein und bat die Muttergottes vertrauensvoll um ihre Fürsprache.
Seit einigen Jahren tut sich aber etwas. Die alte Dame ist der Gebetsgemeinschaft vom „Lebendigen Rosenkranz“ beigetreten, wo jeder Beter täglich ein bestimmtes Gesätzlein betet. Durch ihre Teilnahme am Lebendigen Rosenkranz besuchen wir diese Frau daher auch regelmäßig im Altenheim; im Jubiläumsjahr sogar einmal in Begleitung der Fatima-Pilger-Madonna, die sie freudig aufgenommen hat. Mittlerweile sitzt diese Seniorin im Rollstuhl. Und so ist es leicht, in die kleine Hauskapelle zu fahren, die glücklicherweise im Heim eingerichtet ist. Mit beinahe 90 Jahren kommt sie, die nie eine große Beterin war, zu erstaunlichen Einsichten. Als ich ihr vor kurzem in der Kapelle einen Rosenkranz schenkte, sagte sie mit Blick auf die Muttergottes-Statue: „Ich habe jetzt ein hochheiliges Geschenk bekommen. Muttergottes, schau auf mich!“ und fügte hinzu: „ Ich habe jetzt eine Aufgabe.“
Was für Erkenntnisse! Der Rosenkranz als Geschenk, als Mittel, das uns mit der Muttergottes verbindet, und das Gebet als Aufgabe bis ans Lebensende. Und selbst wenn man den Rosenkranz nicht mehr beten kann, so kann man ihn ja vielleicht noch in der Hand halten und mit den Perlen spielen. Wie sagt die hl. Mutter Teresa so schön? „Wer den Rosenkranz hält, der hält die Hand der Muttergottes.“ Das ist doch großartig! Und die hl. Anna Schäffer, die über 20 Jahre lang im Bett lag, sprach sie nicht immer von ihrem „Rosenspiel“, von dem Rosenkranz, den sie immer durch die Finger gleiten ließ? Den Rosenkranz halten und mit den Perlen spielen – ist das nicht ein wunderbares Gebet, sogar  ohne Worte?
In wenigen Worten hat diese alte Frau große Wahrheiten über den Rosenkranz ausgedrückt. Sie bezeichnete den Rosenkranz später als ihr „Heiligtum“, weil sie ja sonst nichts mehr hat.
Beim nächsten Besuch in der Kapelle ging es weiter. Kaum fanden wir uns vor dem Allerheiligsten ein, als sie ein persönliches Gebet begann. Es drückte ihre Erschütterung darüber aus, dass ein Mann in ihrem Beisein einen Kreuzesfluch ausgestoßen hat. Sie entschuldigte den Mann, dass er nicht gewusst habe, was er sagte. Trotzdem war der Fluch ganz schlimm für sie, so als hätte es sie selber betroffen. Sie äußerte großes Mitgefühl für Jesus, den „armen Kerl“, der am Kreuz gelitten hat, aber auch für die Muttergottes, die ihn ja geboren hat, und alles mitmachen muss. Die schreckliche Erfahrung dieses Fluchs hatte ihr bereits eine schlaflose Nacht bereitet. In dieser Nacht kam ihr aber der Tabernakel ihrer Heimat-Pfarrkirche vor Augen, den sie zuletzt im Krieg aufgesucht hatte. Sie war selber ganz überrascht, dass ihr dieser Tabernakel nach so langer Zeit wieder so deutlich in den Sinn gekommen ist. Vor diesem Tabernakel hat sie geistiger Weise die Nacht verbracht und um Vergebung für diesen Kreuzes-Fluch gebeten.
Ist das nicht die Verwirklichung der Botschaft von Fatima? Machen es so nicht auch die Kinder von Fatima? Stellvertretend um Vergebung bitten. Jesus im Tabernakel trösten. Sühne leisten für alle Schmähungen, die Jesus und die Muttergottes erleiden. Für die Bekehrung der armen Sünder bitten.
Ganz offensichtlich haben der Lebendige Rosenkranz und der Besuch der Fatima-Muttergottes im Herzen dieser Seniorin Früchte getragen. Wie leicht ist es da, diese Frau anzuregen, demnächst jede schlaflose Nacht im Geiste vor dem Tabernakel zu verbringen, Jesus und Maria zu trösten und ihnen alles, einfach alles, zu schenken, was das Leben noch so mit sich bringen wird.
 
Wir haben gelernt: Jesus und seine Mutter vergessen niemanden. Auch nicht im Heim, auch nicht in der Demenz, auch nicht am Krankenlager, auch nicht im Rollstuhl. Im Gegenteil: gerade dort, gerade in Schwäche, Krankheit, Alter möchten sie wirken und das Heil bringen. Wie viel Frucht mag gerade das Gebet und die Hingabe der Alten, Kranken, Behinderten bringen!
Vielleicht ist es an uns, den einen oder anderen Heimbewohner regelmäßig zu besuchen, das Gespräch zu pflegen, gemeinsam die Hauskapelle aufzusuchen, zum Gebet anzuregen. Vieles ist vielleicht nur verschütt gegangen, kann aber wieder zu Tage gefördert werden. Im Fall der Seniorin im Rollstuhl ging es um ihre Frage, wie der Satz heißt, den man vorm Tabernakel, vorm Allerheiligsten Sakrament betet. Mehrfach hat sie dann den Satz geübt: „Hochgelobt und gebenedeit sei das Allerheiligste Sakrament des Altares. Von nun an bis in Ewigkeit. Amen.“ Und das mit fast 90 Jahren.
Es sind oft nur Kleinigkeiten, die Jesus und seine Mutter von uns wünschen, aber sie können durch die Gnade Gottes eine große Wirkung erzielen.

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