100. Todestag der hl. Jacinta

19. Februar 2020, Vortag des 100. Todestages des Seherkindes Jacinta Marto aus Fatima.

 

Wir sind in Lissabon und stehen vor einem dieser typischen, mit Azulejos (Fliesen) verzierten portugiesischen Häuser. Hier war früher das Waisenhaus von Madre Godhino, wo vor 100 Jahren Jacinta, das Hirtenkind von Fatima, einige Tage gelebt hat.

Rechts neben dem ehemaligen Waisenhaus ist die kleine Kirche,
zu deren Tabernakel die kranke Jacinta blicken konnte

Wir klingeln, aber zunächst rührt sich nichts.

Es lohnt sich an der Pforte des Klosters
in der Rua da Estrela Nr. 17 zu klingeln

Schließlich kommt eine Fußgängerin vorbei, die uns sagt, was zu tun ist: Klingeln und geduldig abwarten. Die Ordensschwestern (Klarissenschwestern vom Unbefleckten Herzen Mariens) würden arbeiten, dann aber kommen und uns hochführen in Jacintas Zimmer.

 

Tatsächlich kommt kurz darauf eine junge Ordensschwester mit einer frischen, frohen Ausstrahlung. Sie führt uns zunächst in einen kleinen Vortragsraum und erklärt uns die Umstände vor 100 Jahren.

 

Jacintas Bruder Francisco war bereits im Jahr zuvor, am 4. April 1919, verstorben. Inzwischen war auch Jacinta schwer erkrankt und sollte im Krankenhaus operiert werden. Aber dort war kein Platz frei. Deshalb wurde sie zunächst im Waisenhaus aufgenommen. Sie wurde von ihrer Mutter gebracht. Ihre Mutter konnte aber nur wenige Tage bleiben, weil sie zu Hause die Familie versorgen musste und weil der Aufenthalt in Lissabon auch mit Kosten verbunden war. Zudem glaubte sie, dass sie Jacinta bald wiedersehen werde.

Im Gang vor Jacitas Krankenzimmer hängt
heute ein Bild der heiligen Jacinta

Jacinta wusste aber von der Muttergottes, dass sie im Krankenhaus sterben würde. Ihr war klar, dass sie ihre Cousine Lucia und ihre Eltern nie wieder sehen würde. Die Muttergottes hatte Jacinta bei einer privaten Erscheinung daheim in Aljustrel gefragt, ob sie bereit sei, noch eine Weile auf Erden zu bleiben und alle Leiden auf sich zu nehmen. Jacinta hat dazu ihr Ja gesagt. Ihrer Cousine Lucia sagte sie: Unsere Liebe Frau will, dass ich in zwei Krankenhäuser komme, aber nicht um geheilt zu werden, sondern um noch mehr aus Liebe zum Heiland und für die Sünder zu leiden.

Jacinta kam zunächst in das Krankenhaus von Vila Nova de Ourem in der Nähe ihres Heimatdorfes, wo sie noch von ihrer Familie und von Lucia besucht werden konnte. Nach einiger Zeit durfte sie noch einmal nach Aljustrel zurückkehren: mit einer großen, offenen Wunde in der Brust. Zu Hause wurde sie erneut von der Muttergottes besucht. Die Muttergottes kündigte Jacinta an, dass sie nun ins Krankenhaus nach Lissabon gebracht werde. Sie, die Muttergottes, werde aber dorthin kommen und sie in den Himmel holen. Sie brauche keine Angst zu haben.

Kurz bevor Jacinta ins Krankenhaus musste, gab sie ihrer Cousine Lucia noch eine Art „Vermächtnis“ mit, das für Lucia lebenslang ein großer Ansporn gewesen ist. Jacinta sagte zu ihr: „Es dauert nicht mehr lange, bis ich in den Himmel gehe. Du bleibst hier, um den Menschen zu sagen, dass Gott die Andacht zum Unbefleckten Herzen Mariens in der Welt fest begründen will. Wenn die Zeit gekommen ist, darüber zu sprechen, dann verbirg dich nicht. Sage es allen, dass Gott uns die Gnaden durch das Unbefleckte Herz Mariens schenkt, dass die Menschen sie erbitten müssen, dass das Herz Jesu will, dass an seiner Seite auch das Herz unserer himmlischen Mutter verehrt wird. Man soll den Frieden von unserer himmlischen Mutter erbitten, da Gott ihn ihr anvertraut hat. Könnte ich doch jedem Herzen die Flamme mitteilen, die mir in der Brust brennt und mich das Herz Jesu und Mariens so sehr lieben lässt!“

 

 

Von dieser Brüstung aus verfolgte die kleine Jacinta
die heilige Messe in der Kirche
Durch das Gitter blickte Jacinta auf den Tabernakel

Am 21. Januar 1920 ist Jacinta ins Waisenhaus von Madre Godinho nach Lissabon gekommen. Sie hatte eine eitrige Rippenfellentzündung. Da ihre Krankheit ansteckend war, wurde sie von den anderen Kindern im Waisenhaus isoliert. Sie lag alleine in einem Zimmer, das direkt an die kleine Hauskapelle anschloss. Jacinta war sehr schwach, aber sie konnte doch jeden Tag aufstehen und bis zu dem Fenster gehen, das den Blick frei gab in die Kapelle und auf den Altar. Von diesem Fenster aus feierte sie täglich die heilige Messe mit.

In ihrem Krankenzimmer steht der Stuhl,
auf dem die Muttergottes bei ihrer Erscheinung saß

Die Muttergottes hatte dem Kind versprochen, dass sie immer bei ihr sein werde. Die Muttergottes hat Wort gehalten. Neben Jacintas Bett steht noch heute der Stuhl, auf dem die Muttergottes gesessen hat. Jacinta wollte nicht, dass irgendjemand anderes auf diesem Stuhl sitzt – denn es war der Stuhl der Muttergottes. Deswegen wurde der Stuhl abgesägt.

 

Eingang zum Krankenhaus Dona Estefania

Jacinta blieb im Waisenhaus bis zum 2. Februar 1920. Dann wurde sie ins Krankenhaus Dona Estefania verlegt, etwa 2,5 km vom Waisenhaus entfernt, wo sie am 20. Februar 1920 um 22.30 Uhr verstarb. Hungernd nach Jesus in der heiligen Eucharistie. Der zuständige Priester hat sie mit dem Empfang der hl. Kommunion auf den nächsten Tag vertröstet, da er nicht ahnte, dass Jacinta noch in derselben Nacht sterben würde. Jacinta jedoch wusste es.

 

Was können wir von Jacinta lernen? Was lehrt uns dieses Kind?

Jacinta hat die große Liebe Gottes erfahren. Sie spürte, wie gut Gott ist. Sie spürte, wie sehr er sie liebt und wie sehr er wünscht, dass sie darauf mit Liebe antwortet.

Sie gab ihr Ja zu den Plänen Gottes und war bereit, alle Leiden anzunehmen und aufzuopfern für die Bekehrung der Sünder, als Wiedergutmachung für all die Sünden, mit denen das Unbefleckte Herz Mariens beleidigt wird, für die Seelen, die in Gefahr sind, in die Hölle zu gehen, für den Heiligen Vater…aus Liebe zum Heiland. Jacinta hatte ein großes, mitleidiges Herz.

Jacintas Elterhaus   Bild: ©Fatima-Heiligtum

Sie erneuerte ihr Ja, als es darum ging, alleine im Krankenhaus in Lissabon, fern von ihrer Familie, zu sterben. Das war für das Kind Jacinta das Schlimmste. Aber sie wusste sich immer von der Muttergottes behütet und umgeben.

Damals vor 100 Jahren ist man zu Hause gestorben, daheim, inmitten seiner Lieben, so wie es ja auch bei ihrem Bruder Francisco der Fall war.

 

Das Sterben allein im Krankenhaus – das ist das große Leiden vieler Menschen heute. Bitten wir doch Jacinta um ihre Fürbitte in diesem Anliegen; dieses Kind Jacinta, das vor 100 Jahren genau diese Einsamkeit des Sterbens durchlitten hat. Bitten wir sie auch um ihre Fürsprache für alle Todkranken, dass sie ihr Leiden mit Ergebung tragen und Gott schenken, z.B. für die Bekehrung der Sünder.

An ihrem 100. Todestag betete Kardinal Marto mit vielen Gläubigen
den Rosenkranz, bevor in feierlicher Prozession die Ikonen
von Jacinta und Francisco in die Dreifaltigkeitsbasilika getragen wurden.

Wir lernen von Jacinta auch die große Sehnsucht nach dem „verborgenen Jesus“ in der heiligen Eucharistie. Sie wusste durch die Erfahrung der mystischen Kommunion am Loca do Cabeço (Ort der Engelserscheinung), welchen Frieden und welches Glück die Gegenwart des Herrn für die Seele bedeutet. In Jacinta war diese Sehnsucht lebendig - bis zum letzten Atemzug.

Bitten wir Jesus auf die Fürsprache der hl. Jacinta um diese Sehnsucht. Üben wir auch die geistige Kommunion, damit wir zumindest geistigerweise mit dem eucharistischen Herrn vereint sind.

Kardinal Marto inzensiert die Figuren von Jacinta und Francisco

Es kommen Zeiten, und wir sind ja schon mittendrin, dass wegen Mangels an Gläubigen Kirchen in unserem Land geschlossen werden und der „verborgene Jesus“ aus dem Tabernakel auszieht. Es kommen vielleicht Zeiten – oder sie sind schon da – dass wir aus gesundheitlichen Gründen, aus Altersgründen oder sonstigen gewichtigen Gründen die hl. Kommunion nicht mehr empfangen können. Für diese Fälle gilt es vorzusorgen. Bitten wir Jesus um die Gnade, eifrig nach der geistigen Kommunion zu verlangen. Bitten wir den „verborgenen Jesus“ um die Gnade der Sehnsucht – wie er sie Jacinta geschenkt hat. Und zuletzt: bitten wir ihn um die Gnade einer guten Sterbestunde, versehen mit den Sakramenten der Kirche.

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